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Wie sah Ihre Entwicklungsarbeit aus? Ich hatte meine genauen Vorstellungen, wie diese neue Saite beschaffen sein musste. Die Saite sollte unkonventionell sein, sich leicht bespannen lassen, einen dünneren Durchmesser bei gleicher Reißfestigkeit wie dickere Saiten haben, und die Saite sollte ihre Elastizität und Bespannungshärte über einen längeren Zeitraum konstant halten. Daraufhin starteten die ersten Entwicklungen im Labor. Jedoch ohne nennenswerten Erfolg, und nach einem Jahr wurden die Versuche wieder eingestellt, da die Kosten für dieses Projekt viel zu hoch waren. Doch auch die Chemiker ließ das Projekt nicht los. So wurde nochmals ein Forschungsprojekt gestartet, speziell für Tennissaiten. Das Forschungsprojekt war mir gewidmet und stand unter meiner Schirmherrschaft. 2 Jahre lang wurden Testproduktionen in Newport, Kalifornien, mit Spitzenspielern aus den USA und deren Trainern getestet, bei der auch Lindsay Davenport, die in Newport wohnt, mitwirkte. Am Ende der Testreihe ragten 2 Saiten heraus, die von den Testspielern aus über 50 verschiedenen Mustern ermittelt wurden. Dann musste nur noch die beste ermittelt werden, die alle von mir auferlegten Vorgaben erfüllte, und somit war das Kind geboren. Mittlerweile können Produktionen und Weiterentwicklungen auch in Deutschland gemacht werden, da die Herstellungsmaschine für dieses Projekt auch jetzt in Deutschland aufgebaut ist. Welches Vorwissen über die chemischen und physikalischen Eigenschaften von Filamenten hatten Sie? Wenig. Eigentlich überhaupt keine, obwohl ich in Chemie eine Eins hatte. Man kann sich überhaupt nicht vorstellen, welcher Aufwand betrieben werden muß, um ein Produkt mit speziellen Vorgaben zu produzieren. Ich hatte konkrete Vorstellungen von den Eigenschaften einer Saite, und die wollte ich verwirklichen. Wie weitreichend dieses letztendlich ist, wusste ich zum damaligen Zeitpunkt nicht.
Gibt es ein Patent auf die Poly-Hightec? Ja, das Produkt wurde patentiert. Was macht eine gute Polyestersaite aus in Bezug auf die Materialbeschaffenheit? Es gibt sehr billige no name Produkte und sehr teure Markenprodukte. Der Preis sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität aus. Eine teure Saite kann schlechte Eigenschaften haben und eine billige Saite kann sehr gut sein. Bei uns besteht im Moment das Problem darin, dass die Poly-Hightec sehr kostenintensiv ist. Es können Billigprodukte hergestellt werden, die gerade ein Drittel von dem kosten, was die Poly-Hightec in der Herstellung kostet. Viel hängt von der vorgearbeiteten Rezeptur und dem Herstellungsverfahren ab. Und diesen Aufwand hat ein normales Polyester nicht. Betreiben Sie selbst Materialforschung? Wir betreiben sehr viel Materialforschung. Gerade jetzt arbeiten wir wieder an einem neuen Produkt. Einer Weltneuheit, die wie ich hoffe, in etwa einem Jahr serienreif ist. Unter wie vielen anderen Namen wird die Poly-Hightec vertrieben? Das kriegen wir gar nicht mit. Es gibt so viele Firmen, die unser Produkt als Eigenname vermarkten. Fast jeder Versender hat sie im Programm. Sehr stark auch im Ausland. Peters beispielsweise hat beide drin, die Poly-Hightec und entsprechend eben auch als Eigenmarke. Anfangs hat sich Peters gegen die Polyfibre gesträubt. Mittlerweile hat er jedoch gemerkt, dass die Polyfibre mehr und mehr im Kommen ist und jetzt hat er sie auch unter dem Namen Polyfibre im Programm. Mittlerweile verkauft Peters mehr Polyfibre als die Hausmarke. Aber die Nachfrage für Polyfibre steigt Tag für Tag. Obwohl wir eigentlich fast keine Werbung machen, bekommen wir täglich neue zufriedene Kunden. Qualität setzt sich auf Dauer eben durch. Dann werden insgesamt von Polyfibre mehr Meter verkauft als No-name Saiten. Mittlerweile werden ca. 70-80% Polyfibre und 20-30% No-name Saiten verkauft. Wurde auch schon versucht die Polyfibre zu imitieren? Ja, es gab Reklamationen, die wir geprüft haben und dabei feststellten, dass das gar nicht unsere Saite war. Die Saite war härter in der Konsistenz, und sowohl in der Zusammensetzung als auch bei der exakten Überprüfung des äußeren Erscheinungsbildes wurde festgestellt, dass es nicht unsere Saite war. Als Konsequenz werden wir unsere Saite demnächst bedrucken. Entsprechende Maschinen dafür sind schon geordert worden. Sind neue Produkte in Planung? Wenn ja, ab wann ist mit Ihnen zu rechnen? Die Poly-Hightec Premium ist ja ein neues Produkt. Hier wird noch am Inlay der Verpackung gefeilt. Desweiteren sind wir noch an einem neuen Produkt seit einem Jahr dran. Dies wird sich aber noch rauszögern, da diese Saite sehr schwer herzustellen ist. Wir hoffen, dass sie in einem Jahr auf dem Markt ist. Durch wen oder was werden die Saiten getestet? Durch das Werk, Testlabors und durch unsere Vertragsspieler in der ganzen Welt. Wer sind die bekanntesten Spieler, die Ihre Saite spielen oder auch testen? Viele schwedische Spieler, auch ehemalige Profis wie Mats Wilander oder Magnus Larsson. Haben Sie auch einige unter Vertrag? Jetzt schon ca. 30.
Kommen Sie überhaupt selbst noch zum Tennisspielen? Ein bis zweimal die Woche, in der Medenrunde auch sonntags. Das lasse ich mir nicht nehmen, die zwei Tage, die muß ich haben. Welche Saiten spielen Sie? Also ich spiele am liebsten die 1.15 mm in der Halle und draußen auf Sand die 1.20 mm. Spielen Sie auch einmal eine Saite der Konkurrenz? Ich spiele auch mal eine Saite der Konkurrenz. Da hole ich mir dann meistens einen Testschläger und probiere dann mal aus. Um zu sehen was auf dem Markt ist habe ich aber von jeder Firma einige Muster. Waren Sie auch schon mal im Saitenforum oder sind Sie vielleicht schon Mitglied? Mitglied im Saitenforum bin ich nicht, aber ich klicke das schon öfter mal an. Die Bewertungen sind für mich sehr interessant, auch wenn ich manche nicht immer ganz nachvollziehen kann. An anderen Bewertungen, egal ob positiv oder negativ, merkt man, dass die Leute etwas davon verstehen. Mit solchen Leuten würde ich mich auch gerne mal unterhalten. Haben Sie Änderungsvorschläge oder Kritik bzgl. des Saitenforums? Nein, ich begrüße das unheimlich was der Jens da macht. Ich kenne niemanden, der so was macht. GROSSES LOB. Herr Stahlheber, vielen Dank für dieses Interview und viel Erfolg weiterhin! |
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